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Schriftsteller Hajo Meyer zu Besuch am UEG

Schriftsteller Hajo Meyer zu Besuch am UEG

Als besonders brisant wurde sein Vergleich Israels mit Nazideutschland aufgefasst.

Der jüdische Schriftsteller und ehemalige KZ-Häftling Hajo Meyer hielt am 8. Dezember einen Vortrag am UEG. Sein Vergleich Israels mit dem 3. Reich sorgte für großes Aufsehen. Zu seinem Vortrag kamen ein Geschichts-Leistungskurs und fünf 10. Klassen.

von Jonas Lilienthal

Leer - Hajo Meyer steht in der Aula des Ubbo-Emmius-Gymnasiums vor über 200 Schülern. Irgendwie hatten die sich ihn anders vorgestellt. Als sie erfuhren, dass sie einen Vortrag eines jüdischen Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz hören würden hatten die meisten einen gebrochenen Greis im Kopf, der über die Schandtaten der Nazis berichtet und die Qualen aus dem KZ beschreibt. Meyer ist anders. Er verzichtet darauf, seine schwere Zeit in Auschwitz zu veranschaulichen, sondern geht vielmehr auf den langen Weg ein, den Nazideutschland bis zur Endlösung – nämlich der endgültigen Vernichtung der Juden – ging. Insbesondere möchte er auch die Parallelen zwischen dem damaligen Geschehen und dem heutigen Nahost-Konflikt deutlich machen.
„Worin lagen die Ursachen? Wie konnte es so weit kommen wie in Deutschland zur Zeit des NS Regimes?“ Das sind die Fragen auf die Meyer eingeht, um dann das Thema aufzugreifen, um das es ihm eigentlich geht. „Wo die Gleichwertigkeit der Menschen in einem Land aufgehoben wird, da beginnt die Hölle.“
Meyer möchte die Schüler aufklären. Über das Leid der Palästinenser, die um ihren eigenen Staat kämpfen und über die Unterdrückungsmethoden, die der Israel benutzt um dies zu verhindern. Der jüdische Schriftsteller schreckt dabei nicht zurück, die Methoden der Israelis mit denen des 3. Reichs zu vergleichen. Und gerade das macht seinen Vortrag so brisant, jedoch für die Schüler des UEGs gerade auch interessant. „Die kollektive Verantwortung der Juden für alles Leid ist der Grundpfeiler der NS-Gedanken. Genauso machen Ariel Sharon und seine Mitstreiter alle Palästinenser für den Terror in der Region verantwortlich.“
Bei diesem Tabubruch zucken einige Schüler zusammen. Denn obwohl Meyer diesen angekündigt hat, so ist ein Vergleich des überwiegend jüdischen Staats mit dem NS-Regime doch etwas eigenartiges, ja fast paradoxes. Die meisten finden die offene Haltung des Schriftstellers mutig, viele jedoch auch geschmacklos. Trotzdem teilt die Zuhörerschaft fast ausnahmslos Meyers Meinung über die Politik Israels.
„Ich bin zwar der israelischen Außenpolitik gegenüber auch negativ eingestellt, Meyers Vergleich mit dem NS-Regime finde ich jedoch zu krass“, meint Jan aus dem Geschichts-Leistungskurs. Damit spricht er für die meisten seiner Mitschüler, die nach dem Vortrag nahezu alle höchst angestrengt über das Thema nachdenkend die Aula des UEGs verlassen. Damit hat der ehemalige Auschwitz-Häftling sein selbst gestecktes Ziel erreicht.

Zuvor hatte der Schriftsteller noch sein Buch kurz vorgestellt: Darin führt Meyer nicht nur seinen provokanten Vergleich auf, sondern prophezeit dem Judentum wegen seines moralischen Verfalls auch eine düstere Zukunft. Der Titel: „Das Ende des Judentums“.
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