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GESCHICHTE am Ubbo-Emmius-Gymnasium

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10 F besucht eine Ausstellung zum Nationalsozialismus in Leer

Autorin: Vera Boelsen, Klasse 10F

 

Auch Leer blieb nicht verschont

Jeder kennt ihn: den Geschichtsunterricht in der Schule über den Nationalsozialismus.
Jeder lernt auch etwas aus den Schulbüchern über diese Zeit und bereitet sich schließlich auf die Klassenarbeit vor. Aber geht bei all der Theorie, auch wenn man schockiert ist über Themen, wie z.B. die Grausamkeit in Konzentrationslagern, nicht das Bewusstsein, dass all dies tatsächlich stattfand, verloren? Um dies zu verhindern, gibt es in Leer die Möglichkeit, in einer Ausstellung im Rathaus zu erfahren, wie es in der Zeit von 1933- 1945 in unserer Stadt wirklich ausgesehen hat. Diese Ausstellung haben die Schüler und Schülerinnen der Klasse
10 F besucht.

Die Stadtarchivarin Menna Hensmann führte die Besucher zuerst in einen Raum mit einem großen Tisch und gemütlichen Stühlen. Doch schaut man sich um, erkennt man die Terrorherrschaft und die Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus: Berichte, Fotos, Zeitungsartikel, angebracht an Stellwänden, befinden sich rings um die Tische.  

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Die Ausstellung

Frau Hensmann erklärte, wie die NS-Herrschaft in Leer begann. Die Macht erlangten die Nazis, als sie am 27.4.1933 die letzte Stadtratssitzung sprengten. Der Bürgermeister Dr. vom Bruch wurde von ihnen in der Presse übel lügnerisch verleumdet und nahm sich das Leben, weil er dem Rufmord nicht entgegentreten konnte.  Sie ernannten Adolf Hitler zum Ehrenbürger und änderten einige Straßennamen, wie z.B. die „Mühlenstraße“ in „Adolf-Hitler Straße“. Sie stellte zudem Wilhelmine Siefkes, Hermann Tempel und Hermann Lange vor, alles Verfolgte und Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes, weil sie aus Sicht der Nazis eine Gefahr darstellten. Dadurch erkennt man, dass all die Quellen aus Geschichtsbüchern, die von solchen Leuten berichten, vor 77 Jahren grausame Wirklichkeit waren und nicht etwa nur in einem Text auf der Seite eines Buches vorkommen.
Eine Stellwand zeigt Bilder von SA-Umzügen; eine andere die Synagoge in Leer und wie sie in der Reichspogromnacht zerstört wurde.

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Die Synagoge in Leer- vor ihrer Zerstörung in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938
( Reichprogromnacht).

 

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Ein Umzug der SA

Interessant ist auch, dass das "Haus des Sports" im Turnerweg ursprünglich für die Hitlerjugend gebaut worden ist.

Als nächstes fällt der Blick auf drei große, der Tora, also dem heiligen Buch der Juden, nachempfunden Papierrollen an der Wand.  Sie sind übersät mit schwarzgedruckten Namen von jüdischen Mitbürgern, die in Leer lebten - darüber ist die Überschrift "Opfer des Holocaust" zu lesen.

Mehr und mehr schwand die Distanz, mit der wir diese Zeit betrachtet hatten. Es wird einem klar, dass hier, wo wir jetzt in Frieden leben, vor nicht allzu langer Zeit viele Menschen von der Grausamkeit und Gnadenlosigkeit der Nazis verfolgt wurden.
Nach weitern interessanten Informationen wurde der Besucher in den Rathaussaal geführt. Es ist ein imposanter Saal, mit kunstvollen Wand- und Deckenmalereien. Die Tische sind in einem großen Kreis aufgestellt. Als Frau Hensmann daraufhinwies, dass nach 1933  überall die Hakenkreuz- Flaggen hingen, fiel es einem leicht, sich dies vorzustellen. Wir wurden uns immer mehr bewusst, dass wir selbst nicht sehr fern von dieser Zeit leben.
Danach bekamen wir  noch einmal die Gelegenheit, in Ruhe die Ausstellung zu besichtigen. Auffällig sind die Äußerungen über Juden aus der nationalsozialistischen Zeit, beispielsweise in der „Ostfriesischen Tageszeitung“. Was für uns heute unvorstellbar ist, war damals Umgangsvokabular: Juden wurden als „Fremdrassige“ bezeichnet, oder man sprach von einer „Judengefahr“.
Zum Schluss wurden wir noch zu einem alten Haus in der Nähe des Rathauses geführt, in dem vor kurzem noch ein moderner Laden war. Frau Hensmann erzählte, dass das Haus der jüdische Familie Aussen gehörte, die zwar nach Holland fliehen konnte, aber auch dort von den Nazis gefunden und ins Vernichtungslager transportiert wurde. Umgebracht wurde auch die nur siebenjährige Tochter Lisel Aussen.
Nach Ende dieser Führung hat man das Thema keineswegs für sich selbst abgeschlossen. Die Bilder und die Namen der Opfer gehen einem weiterhin durch den Kopf. Häuser, an denen man vielleicht jeden Tag vorbeigeht, bekommen nun plötzlich eine Bedeutung, man wird sich immer daran erinnern, dass sie tatsächlich Überbleibsel des Nationalsozialismus sind, wie z.B. das „Haus des Sports“. Daher bleibt dem Besucher im Gedächtnis, dass die Nazi- Zeit  in all ihrer Grausamkeit auch in Leer gelebte Wirklichkeit war.
Ich bin der Meinung, dass diese Ausstellung mit der exzellenten Führung für alle sehr empfehlenswert ist, sowohl für Schüler als auch für Erwachsene, die an der Historie unserer Stadt interessiert sind. Es wird einem bewusst, dass man eine gewisse Mitverantwortung für die Zukunft trägt und der Nationalsozialismus mehr für uns bedeutet als nur eine Unterrichtseinheit in der 10. Klasse. Auch unser beschauliches Leer und dessen Bewohner waren einerseits Teil und andererseits Opfer des nationalsozialistischen Regimes.

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