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iPads am UEG

 

Der Digitalpakt für Schulen ist in aller Munde. Schulen bekommen vom Bund Geld für die Verbesserung der digitalen Ausstattung der Schulen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist immer vom Kaufen von mobilen Endgeräten die Rede - sprich Tablets. Aber der Digitalpakt ist vorrangig für Präsentationstechnik (Beamer, Smartboards) sowie für Netzwerktechnik (Lan, Wlan) vorgesehen. Das Beschaffen von mobilen Endgeräten ist erst dann möglich, wenn alle Räume mit WLAN, Beamern und digitalen Präsentationstechniken (Smartboard, Apple-TV, o.ä.) ausgestattet sind. Oft wird angenommen, dass das Geld für den ersten Digitalpakt nur für Technik reichen wird und in ganz seltenen Fällen für mobile Endgeräte.

Aber der Landrat und der Landkreis möchten nicht darauf warten, bis alle Räume vollständig ausgestattet sind, sondern haben selber die Initiative gestartet und beginnen, alle Kreisschulen mit einem iPad-Satz auszustatten. Diese Mittel werden dann vom Landkreis-Budget verwendet. Das UEG bekam in diesem Zuge Ende 2019 30 iPads. Wir als Schule haben uns überlegt, wo und wann wir diese iPads sinnvoll einsetzen. Die Entscheidung fiel auf den Jahrgang 7. Dort können die Lehrkräfte jetzt die iPads benutzen und den Einsatz damit erproben.

 

Hier können Sie lesen, wie Robert Meyer, Mathematiklehrer der 8F die iPads "angetestet" hat. Dieser Text spiegelt seine persönliche Meinung wider:

Nachdem ich die Entscheidung getroffen habe, Steigungen von Funktionen miteinander vergleichen zu wollen, kam mir der Einsatz von iPads in den Sinn. Die Schüler sollen Fotos von schrägen Objekten machen, die Fotos in der Mathematik-Software (App) Geogebra einsetzen und dort mittels zwei Punkten die Steigung der Objekte ermitteln lassen. Die Idee war super, der Einsatz erschien mir motivierend und jetzt ging es an die Feinplanung für die Doppelstunde. Als ich schon dabei war, mit vielen Screenshots den Ablauf in der App Geogebra in einer Textverarbeitungssoftware zu veranschaulichen, hielt ich einen Moment inne und musste feststellen, dass ich mich an die übliche / analoge Welt geklammert habe. Nein, die Schüler haben alle ein iPad zur Hand. Da muss ich keine Papieranleitung erstellen. Die Anleitung kann digital sein und die Anleitung muss auch kein Textdokument sein! Also habe ich mein iPad genommen, die Bildschirmaufnahme-Funktion gestartet, alles durchgespielt und gleichzeitig per Stimme kommentiert. Ruckzuck war das 2:30 Minuten-lange Video fertig. Das Video wurde für die Schüler in IServ hochgeladen. Nun fehlten noch Arbeitsanweisungen, die die Schüler bekommen sollten, damit sie jederzeit nachlesen können, was die Anforderungen der Unterrichtsstunde sind. Auch hier war der erste Gedanke wieder, ein Blatt Papier zu erstellen. Doch auch hier merkte ich dann, dass eine Kopie auf Papier einen Medienbruch darstellt, der Umwelt schadet und am Ende der Stunde nicht einmal mehr benötigt wird. Daher habe ich das Dokument als PDF zusammen mit dem Video in den Gruppendateien-Ordner von IServ kopiert und schon stand die Anleitung. Weitere Planungen zur Zeitplanung, Sozialform, etc. war wie zur Planung von "normalem Unterricht" weiterhin notwendig.

Der Beginn des Unterrichts bestand aus der Vorstellung der Dateien (Anleitung als PDF und Video). Dann wurden die iPads ausgeteilt und die Schüler gingen ihre Wege durch die Schule bzw. über das Schulgelände.

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Nach einer halben Stunde wurden im Klassenraum die Ergebnisse über den Beamer gezeigt. Mit einem Apple-TV konnte schnell der Inhalt der jeweiligen iPads projiziert werden.

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Die Schüler sollten am Ende drei Screenshots in ihren eigenen Dateien speichern. Diese Dateien dienten zu Hause als Vorlage, mit der die Höhe der Objekte durch Abschätzen der Entfernung zur Seite und der Steigung bestimmt werden sollten.

Und am Ende einer Stunde erfolgt die Nachbereitung, in diesem Fall die Auswertung der Stunde. Es stehen die Fragen im Raum: "Was haben die Schüler gelernt?" und "Was haben die Schüler gemacht?" Nun hier haben die Schüler gelernt, wie man Fotos aufnimmt, verarbeitet und das Ergbenis als Screenshot sinnvoll abspeichert. Außerdem haben die Schüler unterbewusst Steigungen miteinander verglichen, weil sie im Gespräch mit ihrem Partner darüber waren, was steiler war. Sie bekommen eine Vorstellung darüber, was mit "klassischem Unterricht" über längere Übungsphasen möglich gewesen wäre.

Was mache ich hier? - Ich rechtfertige den Einsatz digitaler Medien und ziehe "klassischen Unterricht" als Vergleichsmaßstab. Aber genau das ist der Fehler, der oft auch in der Fachliteratur beschrieben wird. Klassischer und digitaler Unterricht sind nicht vergleichbar. Beide Formen haben ihre Berechtigung und müssen (auch weiterhin) bestehen bleiben. Und beide Formen müssen unterrichtet werden, um die Fertigkeiten für eine Welt von morgen zu besitzen. War es nur Spielerei? - Nein, die Schüler haben sich mit Dateiablage sinnvoll auseinander gesetzt. Natürlich war auch das Thema Datenschutz kurz Thema, weil sie sich gegenseitig fotografiert haben. Hat es Spaß gemacht? - Ja. Und das darf Unterricht auch!

Am Ende bleibt das Problem, dass die Lehrpläne vielleicht zu dicht gepackt sind, um Unterricht mit digitalen Medien Raum zu lassen. Zu guter letzt ist diese andere Unterrichtsform z.B. in Bezug auf Unterrichtsplanung eine große Herausforderung für alle Lehrkräfte, die wir nur durch intensive Fortbildungen aufarbeiten können. Es gibt viel zu tun, packen wir's an!

 

Für Mathematik-Interessierte:

Es muss sorgfältig dokumentiert werden und Abschätzungen von Entfernungen müssen auch genau vorgenommen werden.

 

 Durch ein Bild wurden zwei Punkte in der Software Geogebra gelegt. Die Software kann dann eine Gerade durch diese Punkte ermitteln und deren Funktionsgleichung anzeigen lassen:

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Mit der Gerade kann dann über die Steigung (1 nach rechts, m nach oben) auch in größeren Bereichen gerechnet werden (s nach rechts, m * s nach oben). So habe ich versucht, die Höhe des Turmes abzuschätzen:

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Bei diesem Beispiel sieht man, dass der Turm zu groß für eine ordentliche Vermessung ist, weil das Bild verzehrt ist.